Die Gäste-Flüsterin

Ein Interview im Hotel Nesslerhof mit Eigentümerin Tina Neudegger.

Tina Neudegger, die Chefin des Hotels Nesslerhof, bereitet für uns den Lillet-Cocktail Summer Herbs zu. Danach sitzen wir gemütlich zusammen und erfahren ein wenig mehr darüber, wie sie und ihre Familie an das Thema Hotellerie herangeht.

Was macht das Besondere eures Hotels aus?

Man muss sich in Österreich, weil wir ja beinahe nur Top-Hotellerie haben, auf irgendeine Weise differenziert. Wir nennen uns „Gäste-Flüsterer“, weil wir auf unsere Gäste eingehen, ihnen zuhören und versuchen, ihre kleinen, individuellen Wünsche zu erfüllen. Der Standard – saubere Zimmer, gutes Essen, leckere Weine – über den diskutiert in unserer Kategorie keiner, den erwartet man einfach. Aber die Kleinigkeiten, die nicht unbedingt im Handbuch stehen, die bleiben positiv im Gedächtnis und geben dem Urlaub den Wow-Effekt.

Ist der Hotelbetrieb immer dein Traumberuf gewesen?

Mein Traum war es, ein Restaurant direkt in der Stadt Salzburg zu eröffnen. Dann lernte ich meinen Mann kennen und wie das Leben so spielt, landete ich ganz wo anders. Wir kauften uns 2001, genau an meinem 21. Geburtstag, eine Frühstückspension. Das war mein erster Schritt in die Selbstständigkeit. Sechs Jahre später erfuhren wir von meinen Schwiegereltern, dass wir dieses Haus übernehmen und uns damit unseren eigenen Betrieb aufbauen dürfen. 2011 wurde der Nesslerhof unter unsere Leitung eröffnet.

Wie schaukelt man mit drei Kindern einen solchen Betrieb?

Das frage ich mich jeden Tag aufs Neue (lacht). Meine Mädchen sind jetzt 13, 10 und 7, sind tatsächlich sehr selbstständig, sportlich und immer auf der Achse, brauchen mich aber intensiv. Natürlich basiert alles auf guter Organisation, denn ohne ein verlässliches Netzwerk geht gar nichts. Ich habe das Glück sowohl von meiner Mutter als auch meiner Schwiegermutter unterstützt zu werden. Außerdem wachsen meine Töchter in einem Gastbetrieb auf und da gibt es natürlich Annehmlichkeiten, die uns allen das Leben erleichtern. Hungern muss hier schon mal niemand (lacht).

Möchtest du, dass deine drei Töchter eines Tages im Betrieb tätig sind?

Sie machen es ja jetzt schon ein wenig und ich hoffe, dass wenigstens eine später einmal das Haus führen wird. Das Gute ist, dass die Mädchen sich im Hotel sehr wohlfühlen und das, was wir hier aufgebaut haben, auch schätzen können. Ich denke, dass ich für meine Töchter ein gutes Beispiel abgebe, wie man so einen Job machen kann, ohne dass die Familie oder das Privatleben darunter leidet.

Wo holst du dir Ideen für euer Konzept bzw. euer Hotel? Was inspiriert dich persönlich?

Grundsätzlich versuche ich nicht andere Hotels zu kopieren, denn das würde nicht funktionieren. Ich habe viele eigene Ideen und setze sie in Kooperation mit jungen, kreativen Architekten um. Ich finde es wichtig, mit jungen Köpfen, die innovativ denken und mit ihrer Arbeit etwas bewegen wollen, zu arbeiten. Wir Hoteliers, die wir wissen, was wie funktioniert, müssen jedoch offen für neue Ideen und Wege sein. Nur so entstehen originelle Konzepte, die für anspruchsvolle Gäste interessant sind.

Elisabeth Böck und Cornelia Pichler, gemeinsam Womanly, begaben sich abermals für LIFESTYLEHOTELS und unseren Kooperationspartner LILLET auf die Reise, um spannende Interviews mit außergewöhnlichen Power-Frauen zu führen.