Das Kronthaler | Günther Hlebaina

Kristallklares Wasser, grüne Wälder und malerische Berge – der Achensee. Ein Paradies in den Tiroler Alpen, für Sportler gleichermaßen wie für Genießer. Seit einigen Jahren führt hier der gebürtige Steirer Günther Hlebaina Das Kronthaler. Im Gespräch mit einem visionären Hotelier über seine Liebe zu Sport, Nachhaltigkeit und die Kraft der Alpen.

Günther Hlebaina

Der begeisterte Hotelier Günther Hlebaina ist in seiner Freizeit leidenschaftlicher Schifahrer.

Das Kronthaler ist der Homepage zufolge durch Sehnsucht entstanden. Was meinen Sie damit?

Es gibt eine Vorgeschichte zum „Das Kronthaler“. Und zwar war das ein Kinderhotel, das wir über viele Jahre hinweg betrieben haben. Eine wunderschöne Sache, aber sehr eingleisig in der Beherbergungsart. Wir beherbergten nur Familien mit Kindern. Aus diesem Betriebstyp ist die Sehnsucht entstanden, Gäste länger beherbergen zu können. Immer wenn wir Familien hatten wo die Kinder in die Pubertät kamen, haben wir die Gäste verloren, weil die Kinder nicht mehr im Kinderhotel sein wollten. Da war die Sehnsucht insofern da, dass wir versuchten einen neuen Hoteltyp zu kreieren und uns in der Beherbergungsart zu befreien. Das ist uns dann 2010 geglückt.

Was bedeutet Sehnsucht für Sie persönlich?

Meine Hauptaufgabe ist Hotelier zu sein, ich bin ein Frontman und arbeite oft direkt mit den Kunden. Für mich ist es eine große Sehnsucht Gäste zu 100% zufrieden zu stellen und sie zu begeistern. Das ist mitunter auch das Rezept, wie wir unser Hotel führen.

Gibt es für Sie in dieser schönen Region am Achensee auch eine heimliche Sehnsucht?

Wir sind sehr verwöhnt und es ist für mich jeden Tag aufs Neue ein wunderschöner Moment wenn ich am See laufen gehe. Die alte Seestraße ist autofrei und dort kann man das Wasser genießen. Das ist ein Platz nach dem ich mich oft sehne und darum gehe ich auch immer wieder Laufen um diese Momente zu genießen.

Günther Hlebaina findet im Winter wie im Sommer Entspannung rund um den Achensee.

Günther Hlebaina findet im Winter wie im Sommer Entspannung rund um den Achensee.

Wie definieren Sie den Lifestyle in den Alpen?

Lifestyle ist für mich eine Lebensart. Die ist geprägt durch eine gewisse Art Bescheidenheit, Bodenständigkeit und Wertschätzung verschiedener Dinge, wie z.B. eine gute Dienstleistung zu erhalten. Das ist für mich das Wesentliche am alpinen Lifestyle.

Das Motto bei der Planung war ja zurück zum Ursprung. Inwieweit kann man das in einem modernen Hotel umsetzen?

Mit Ursprung waren ein paar Bereiche gemeint. Wir haben im Haus selbst Dinge freigehalten, wie den „Ursprungsfels“ in der Kapelle, wo die Gesteinsformation auf der das Haus steht, freigelassen wurde. Bei stärkerem Regenfall oder Schneeschmelze im Frühjahr wird durch diesen Felsbereich das Wasser aus dem Berg im Inneren des Hauses spürbar gemacht. Das sind Dinge die uns am Herzen lagen. Weiterns sind wir auch bei der Namensgebung zum Ursprünglichen zurückgekehrt. Der Name Das Kronthaler geht zurück auf die Errichter des ersten Gebäudeteiles hier, Christine und Ottmar Kronthaler. Diese Familie hat uns das Haus letztendlich verkauft. Wir haben beschlossen greifbar zu machen, wie das Hotel entstanden ist und daraus ist dann eine kleine Geschichte entstanden. Auch ein großer Teil der verwendeten Materialien ist ursprünglich. Wir schweiften da nicht zu weit in die Ferne und blieben Großteils bei den Materialien, die von hier kommen, egal ob es der Stein, Holz oder etwas anderes ist. Das nennen wir das Ursprüngliche.

Welche Materialien, die Sie hier verwendet haben, sind heimisch?

Die ganzen Hölzer. Ein Großteil der Fassade besteht aus Lärche, wir verwenden aber auch Fichte. Im Steinbereich haben wir Granit. Der stammt zwar nicht komplett aus der Region, weil bei uns kein Granit vorhanden ist, aber er ist Großteils aus Tirol und der Rest ist aus Oberösterreich. Wir haben natürlich auch den Loden dabei, der zwar traditionellerweise nicht vom Achensee ist, aber aus dem steirischen Ennstal. Wir sind sozusagen überregional in der Produktauswahl.

Das Kronthaler

Die Fassade des Hotels besteht fast gänzlich aus heimischer Lärche.

Wie lässt sich Design mit Ursprünglichkeit verbinden?

Ich glaube das lässt sich sehr einfach verbinden. Heutiges Design in der Hotelarchitektur ist geradlinig und einfach, so wie es früher auch war. Alte Stuben waren ja eher einfach gehalten und nicht verkitscht und verschnörkelt. Heute trifft sich das wieder auf interessanter Ebene und es ist sehr leicht diese Dinge zu machen, weil alles viel einfacher geworden ist.

Was bedeutet Ursprünglichkeit für Sie persönlich?

Ich bin ein Mensch der immer einen gewissen Blick zurück wirft, obwohl ich absolut vorwärtsorientiert bin. Aber wo ich herkomme ist mir schon wichtig. Ich komme aus der Steiermark und das sind mein Ursprung und meine Herkunft, die möchte ich nie leugnen.

Die Natur wurde auf der Website als Kraftquelle bezeichnet. Wie kann man in- und außerhalb des Hotels Kraft von der Natur schöpfen?

Ich denke, dass wir im Hotel eine Atmosphäre geschaffen haben, die an sich kräftigend ist. Ich zitiere dabei immer wieder gerne einige Gäste, die mir beschrieben haben, dass bereits das Reingehen ins Hotel für sie besonders ist. Man spürt eine gewisse Kraft, es ist aber nicht so einfach das im Detail zu beschrieben. Eine Frau aus dem Tiroler Oberland hat mir mal gesagt: „Herr Hlebaina, da haben Sie wirklich einen besonderen Platz gefunden, mit diesem Haus.“ Ich weiß nicht, es gibt Menschen, die in dieser Richtung eine besondere Sensibilität haben und solche Kräfte spüren. Ich persönlich kann für meinen Teil sagen, dass ich es auch als sehr angenehm empfinde. Außerhalb des Hauses ist es die Lage, etwas erhaben über dem Tal. Man weiß, dass man auf einem kräftigen Fels mit viel Energie darunter sitzt, dann der Blick in die Berge zu den Bergspitzen rundum, das dicht Bewaldete und der See – für mich ist das eine Kraftquelle, alleine schon beim Betrachten.

Teich

Die Natur ist die Kraftquelle des Kronthalers, das spüren auch die Gäste.

Die Natur spielt bei Ihnen eine große Rolle, ist Ihnen und Ihren Gästen Nachhaltigkeit wichtig?

Ja, auf alle Fälle. Die kommen auch mit diesem Anspruch.

Inwieweit leben Sie Nachhaltigkeit?

Wir leben in vielerlei Hinsicht nachhaltig, das sind aber nicht nur die materiellen Dinge. Wichtig sind auch die Menschen, die hier arbeiten. Wir sind auf einem sehr hohen Soziallevel und versuchen sehr gut ausgebildete Mitarbeiter einzustellen. Diese bringen wir sehr gut unter, um sie lange im Team zu behalten.

Uns ist aufgefallen, dass viele Hotels nur wegen des aktuellen Trends auf Nachhaltigkeit setzten. Nach außen hin sieht es zwar so aus, aber in Wahrheit ist es nicht so. Was halten Sie davon?

Da kommt man irgendwann drauf. Im ersten Moment ist die Nachhaltigkeit nicht feststellbar. Man erkennt das erst, wenn man drinnen ist und das Gefühl in dem Gebäude auch lebt. Wir hier haben von Grund auf die Nachhaltigkeit in uns und tragen die auch in uns.

Die Region rund um den Achensee ist nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer gut besucht. Was macht den Urlaub hier rund ums Jahr so attraktiv?

Wir haben den großen Vorteil, dass wir auf 1.000 m Seehöhe wohnen und das bedeutet ein gutes Erleben der vier Jahreszeiten. Das ist Wesentlich, dass wir einen super Winter haben und einen blühenden Frühling. Wir haben einen angenehmen Sommer, nicht zu heiß und nicht zu schwül und der Herbst in den Bergen ist auch besonders schön. Sowas wie bei uns findet man nicht überall so vor.

Und was machen die Gäste hier gerne in ihrer Freizeit?

Wir haben hier eine enorme Vielfalt an Betätigungsfeldern. Das ist einerseits die alpine Gegend, wo es von den 1.000 m rauf auf 2.500 m geht. Dieses Alpinerlebnis bildet einen wesentlichen Teil mit den Wanderungen und den Klettersteigen. Aber andererseits es ist auch unten im Tal sehr viel zu tun. Ich denke da an wunderschöne Radtouren und Laufen, es gibt nämlich sehr viele organisierte Laufstrecken. Außerdem haben wir zwei Golfplätze in der Gegend und am See zahlreiche Wassersportarten. Diese reichen vom Segeln über Surfen, Kitesurfen bis hin zum einfachen Rudern – man kann sich also sehr gut beschäftigen.

Yoga

Yoga ist nur eine Möglichkeit, wie man sich am Achensee die Zeit vertreiben kann.

Natürlich sind da auch Wellness-Aktivitäten dabei?

Ja klar, das Beste ist ein Mix aus diesen Sportaktivitäten, gepaart mit unserem Wellness-Angebot. Dieses erstreckt sich im Haus über 2 500 m² und man kann sich nach dem Sport wirklich angenehm entspannen. Wir erheben aber nicht den Anspruch ein klassisches Wellness-Hotel zu sein, denn das sind wir absolut nicht, weil unsere Klientel einfach jünger ist. Die sind sehr dynamisch, zwar vom Alter her nicht immer ganz jung, aber es gibt ganz viele jung gebliebene ältere Menschen. Die mögen einfach die Art der Architektur und diesen Hoteltyp, weil das etwas weiter weg von den Traditionshäusern ist, die es sonst so gibt. Diese ländliche dominierte Prägung wollen wir nicht.

Geht der Trend zu Natürlichkeit auch in den Wellness-Bereich?

In unserer Wellness-Abteilung sind wir auf einem ursprünglichen Weg. Wir versuchen nicht die Behandlungsmethoden aus Asien zu importieren, sondern uns auch da eher im regionalen Bereich zu bewegen. Wir haben eine gewisse Einfachheit in den Behandlungen und bei den Materialien, die verwendet werden. Vor allem die Kräuter sind aus der Gegend. Wir haben auch den großen Vorteil, dass wir das Tiroler Steinöl hier bei uns haben, ein Öl das hier abgebaut wird, kräftigend ist und gut tut. Alles ist sehr regional, soweit es eben geht.

Sehen das die Gäste auch so, dass der Luxus gar nicht in irgendwelchen exklusiven Sachen liegt, sondern in der Natürlichkeit?

Auf alle Fälle. Ich denke, dass wir jetzt in eine sehr angenehme Zeitperiode reinkommen werden, wo einfache Dinge viel mehr Beachtung bekommen und mehr geschätzt werden als bisher. Wo es früher stets darum ging immer mehr Luxus zu haben, geht es jetzt, so denke ich, wieder mehr zurück zur Einfachheit und somit zur Natürlichkeit.

Auch im Wellness-Bereich wir auf Natürlichkeit und Regionalität gesetzt.

Auch im Wellness-Bereich wir auf Natürlichkeit und Regionalität gesetzt.

Es ist Teil Ihrer Philosophie, dass Wohlbefinden mit der Natur einhergeht. Soll man der Natur auch etwas zurückgeben?

Wir können hier im Hotelbereich der Natur nur beschränkt etwas zurückgeben. Schließlich können wir hier keinen Wald pflanzen, oder sonst irgendwas. Natürlich gehen wir sehr vorsichtig damit um und die Dinge, die in der Natur geschehen, liegen uns sehr am Herzen. Ich komme aus einer sehr natürlichen Gegend in der Steiermark und habe dadurch einen sehr guten Bezug zur Umwelt und zur Natur. Daher gehe ich natürlich sehr sorgfältig damit um.

Weil Sie vorher erwähnten, dass Sie gerne Sport machen: Gehört zum Wellness auch für Sie der Sport dazu?

Ja auf alle Fälle. Ich bin jahrelang Schilehrer gewesen und auch Schisportler, daher zählt Schifahren zu meinen absoluten Lieblingssportarten. Zum Schifahren gehört aber genauso der Sommersport dazu, schließlich muss man sich ja den Sommer über auf Schifahren vorbereiten. Da ist Laufen etwas, das mich sehr inspiriert und wo ich den Kopf frei bekomme. Je nach Lust und Laune geht es auch in die Höhe und dann wird es statt des Laufens eben eine schnelle Wanderung. Das sind für mich Dinge wo ich sehr gut entspannen kann und wo man wieder inspiriert wird für neue Unternehmungen. Das ist auch mein das Mittel, das ich anwende.

Also ist Wandern für Sie auch Wellness?

Auf alle Fälle, ja. Für mich ist sehr gut spürbar wenn ich wandern gehe, dass man ungefähr eine Stunde braucht bis man dann in diesen Flow reinkommt. Dort macht es dann richtig Spaß und der Kopf ist frei. Man wird einfach ein bisschen anders als im Tal, wo ständig alle möglichen Herausforderungen auf einen einprasseln.

Was macht für sie das Besondere in diesem Gebiet aus, im Gegensatz zum Rest von Tirol?

Tirol ist so gegliedert, dass es die Inntal-Furche gibt. Es geht meistens ins Tal hinein, am Ende ist Schluss und man fährt aus dem Tal wieder raus. Wir sind in einem offenen Seitental auf 1.000 m Seehöhe mit einem imposanten See, der sich auf zehn Kilometern erstreckt. Das Tal ist nach Norden hin offen, in Richtung Bayern. Ich denke das macht unsere Gegend schon sehr speziell. Wir sind sehr nahe an Zentren, wo es ein großes Angebot in kultureller Hinsicht gibt, aber auch sportmäßig. Wir sind nahe an München, an Innsbruck, Kufstein und Salzburg – von daher sehe ich diese Region als sehr speziell und angenehm an.

Von der Terrasse aus kann man das herrliche Tal-Panorama genießen.

Von der Terrasse aus kann man das herrliche Tal-Panorama genießen.

Sie sind ja ein gebürtiger Steirer. Was verschlägt einen Steirer nach Tirol?

Als ich nach Tirol kam, das ist inzwischen 30 Jahre her, war die Steiermark als Bundesland touristisch gesehen nicht unbedingt das innovativste. Ich bin als junger Kaufmann, Kellner und Schilehrer nach Tirol gegangen, weil da die touristische Auswahl größer war, es mehr zu erleben war und man hat mehr gesehen. Tirol war damals schon den Steirern meilenweit voraus, da hab ich halt den Weg nach Tirol gesucht. Später hab ich festgestellt, dass man in der Steiermark natürlich auch fleißig gearbeitet hat und sich jetzt der Tourismus auch bis in die Südsteiermark gut entwickelt hat. Dort gibt es die Thermen und auch im gebirgigen Norden hat man nicht geschlafen – am Kreischberg gibt es große Sportveranstaltungen. Es ist schon sehr schön, dass sich der Tourismus in Österreich gleichmäßig entwickelt hat und dass der Schwerpunkt im Westen jetzt nicht mehr ganz so ausgeprägt ist.