Mallorca | Asma Kocjan

Mit Mallorca wird automatisch der Ballermann in Verbindung gebracht. Entgegen diesem Vorurteil ist Mallorca aber keine Partyinsel, sondern ein Ort der Ruhe und der Künste. Dorthin hat es die Grazer Künstlerin Asma Kocjan auch vor einigen Jahren verschlagen. Sie erzählt über ein Leben abseits des Ballermanns, ihre Inspirationen und warum Mallorca zu Unrecht als „Kolonie der Deutschen“ gehandhabt wird.

Was hat Sie nach Mallorca geführt?

Ich habe zuerst in Salzburg gewohnt, dann vor 3 Jahren ist mein Weg nach Graz gegangen. Das ist meine Heimat, denn ich bin von hier, aber ich bin auch gleichzeitig nach Spanien gegangen. Ich wollte in den Süden, denn dort ist der Kunstmarkt extrem gut. Es gibt aber wahnsinnig viele Künstler vor Ort und man hat schwer, wenn man von außen kommt. Das merke dort ich auch immer, dass ich auf einer Insel bin: wenn ich dort bin, bin ich dort und wenn ich wieder weg bin, dann bin ich wieder weg. Beim Bilderverkaufen muss man vor Ort sein, das erschwert das Ganze natürlich, weil das Hin- und Herführen der Bilder extrem teuer ist. Ich habe auf Mallorca aber auch ein Atelier, die Bilder die ich dort habe verkaufe ich dort und die Bilder, die ich hier hab verkaufe ich hier – so versuche ich dieses Problem zu lösen.

Was ist dort so besonders?

In Spanien gibt es natürlich wahnsinnig viele Eindrücke, da entstehen wieder ganz andere Bilder als in Österreich. Wenn ich am Meer bin und dort male werden die Bilder einfach anders, viel heller, viel freundlicher und oft mit Wasser. Man denkt immer die Umgebung beeinflusst nicht, aber jedes Land wo man malt hinterlässt seine Spuren.

Asma Kocjans Bilder sind sehr vielfältig.

Asma Kocjans Bilder sind sehr vielfältig.

Wie ist das Künstlerdasein auf Mallorca?

In Spanien ist es am Anfang schon sehr schwer, denn es läuft alles über sogenannte Beachpartys. Bei denen muss man einmal da, einmal dort sein, aber man macht halt mit. Das ist schon mal komplett anders als hier. Es sind viele Künstler dort, die Fincas haben, sowas ist super. Das ist mein Ziel, dass ich dort eine eigene Finca habe, denn ich wohne immer bei Freunden, weil die oft nicht da sind. Das passt ganz gut, weil es wieder was ganz anderes ist, wie wenn man in einer Wohnung wohnt. Obwohl meine Wohnung auch sehr schön ist. Die ist im Südwesten der Insel und man schaut Richtung Palma und von der riesigen Dachterrasse aus sieht man aufs Meer. Im Sommer ist es leider halt sehr heiß, wenn man malt. Deswegen ist mein Ziel so eine Finka wo ich malen kann, dort kann ich dann auch ausstellen. Die Touristen besuchen die Künstler, denn sie haben ja nichts anderes zu tun und viele bieten denen dann eine kleine Jause und einen guten Wein. Da passiert es auch immer wieder, dass Bilder mitgenommen werden. Aber nicht nur irgendwelche Urlaubsbilder, denn es sind wirklich lauter gute Künstler vor Ort.

Sind das einheimische Künstler oder welche, die wie Sie erst dazugekommen sind?

Die meisten sind dazugekommen. Es gibt auf Mallorca kaum Einheimische. Es ist nicht so wie man immer sagt: „Da sind nur die Deutschen.“ Es gibt zwar einige, aber momentan gibt es auch viele Engländer und Russen, also alle möglichen Landsleute. Aber es gibt auch Mallorquiner, die sind wieder was anderes als die Spanier und die sprechen auch ganz anders. Die versteht man kaum, auch wenn man Spanisch kann. Die Kunstszene besteht aus Engländern, Deutschen, Schweizern und allen die Geld haben. Viele ziehen aber auch wieder zurück, weil die spanische Wirtschaft momentan nicht so gut ist. Kaufen würde ich mir momentan nix. Man kriegt Fincas um 1.400€, das sind wahre Traumfincas. Man kann zurzeit wahnsinnig viel günstig kaufen, eben weil alle abziehen.

Asma Kocjan erzählt von ihrem Künstlerleben.

Asma Kocjan erzählt von ihrem Künstlerleben.

Was hält Sie dann dort?

Trotzdem allem ist es gut auf Mallorca und es gibt super Galerien. In Paris ist alles so abgehoben, Spanien ist da viel authentischer und das gefällt mir auch gut. Ich glaube, dass wenn man dort wohnt und sein Finka hat, man als Künstler wirklich gute Geschäfte machen kann. Es gibt auch eigene Kunstreisen, die auf der Insel angeboten werden. Da fährt man an einem Tag zehn Künstler ab, die sich da anmelden, das wäre auch mein Plan, und da geht es um das Authentische. Sogar die ganzen Superreichen auf der Insel wollen das. Was noch dazu kommt ist, dass die ganzen spanischen Villen nicht in Deutschland und Österreich einkaufen, sondern die Leute kaufen sich alles vor Ort – da kann man ein Sensationsgeschäft machen. Es gibt auch alles, sogar einen Ikea. Aber das richten die Reichen natürlich nicht Ikea-mäßig ein. Viele kaufen die Bilder oder holen sich die Künstler direkt ins Haus. Die Kunden fragen auch oft wo welches Bild hinpasst. Viele haben ja nicht den Geschmack, den kann man sich nicht kaufen. Aber ich berate die Leute gerne. Da weiß ich, dass meine Bilder gut hängen. Das hat man auch nur dort unten, dass sich die Leute direkt einrichten lassen, bei uns ist dieser Markt nicht da. Ich kenne drei Innenraum-Design-Geschäfte, die machen ein wahnsinniges Geschäft und die richten von den Vorhängen bis zu den Möbeln alles ein. Auf der Insel ist wichtig auch mit denen zusammen zu arbeiten. Überall gibt es wirklich super Galerien und besonders schön ist es im Norden der Insel, da gibt es auch die meisten Fincas.

Ist es dort weniger touristisch?

Viel weniger. Der Tourismus spielt sich hauptsächlich in der Hauptstadt ab, in Palma. Der Ballermann besteht nur aus einer langen Straße und einem Strand, wo sich alles abspielt. Ich war dort auch schon öfters baden, aber nur in der Nebensaison, denn da ist kein Mensch dort. Das hat dann auch nichts mit dem typischen Ballermann zu tun. Diese Szene spielt sich wirklich nur in diesem einen Bereich  ab und das auch nur von Juli bis August. Im Norden der Insel gibt es hingegen Märkte und viele Fincas, das ist ganz anders und sehr authentisch. Da spielt es sich z.B. in Saint Tropez ganz anders ab. Die Insel Mallorca ist halt nicht groß, man kann sie relativ schnell abfahren und alles sehen. Die Strände sind alle komplett unterschiedlich und das finde ich schon sehr schön an Mallorca. Den Norden mag ich aber am liebsten, weil es dort am wenigsten Tourismus gibt. Die Orte sind richtige Bergdörfer, wo man auch wandern kann. Das sagt mir mehr zu als der Süden, wo man nur baden kann, das ist beim Malen weniger inspirierend als der Norden. Der Norden ist einfach extrem schön.

Also nicht nur Ballermann?

Die vom Ballermann sehe ich eigentlich kaum und dass man die ganze Insel so sehr auf das reduziert ist wirklich arg. Palma ist eine Kunststadt, da gibt es ganz viele Galerien. Ganz stark sieht man auch den Einfluss von Barcelona mit Gaudí. Ich finde Mallorca ist eine extrem coole Insel. Ob ich fix dort leben möchte weiß ich nicht, das kommt ganz auf die Situation an, aber ich kann es mir vorstellen. Für eine gewisse Zeit ist das sicher cool.

Die Künstlerin erklärt ihre Lieblingsorte auf der Insel.

Die Künstlerin erklärt ihre Lieblingsorte auf der Insel.

Wer spricht mehr auf ihre Kunst an? Die Österreicher oder die Spanier?

Natürlich alle. Nein, Scherz – das kann ich wirklich nicht sagen. Ich habe überall meine Kunden, wobei ich durch meinen Heimvorteil in Österreich einfach mehr Kunden hab. Aber ich habe sogar Anfragen von Spaniern, die gar nicht wissen, dass ich auch in Spanien bin. Das liegt daran, dass ich eben ganz unterschiedliche Bereiche abdecke.

Was würden Sie für Geheimtipps geben, wo man auf der Insel unbedingt hinmuss?

Ich würde auf jeden Fall in den Norden fahren, ein Auto mieten und die Insel anschauen. Ganz wichtig sind spezielle Orte wie Inca, Campanet und Polenca. Palma natürlich auch, das ist eine wunderschöne Stadt. Auch die Weingegend ist wunderbar.

Welche Restaurants würden Sie empfehlen?

Da gibt es so viele, ich habe eine ganze Liste. Aber am besten ist es selbst mal ins Landesinnere zu fahren und sich überraschen lassen. Die Restaurants dort sind alle super und auch total authentisch.

Noch ein Tipp für Reisen allgemein, ganz egal in welches Land?

Sonnenschutz, mit einem leeren Koffer hinfahren und mit einem vollen zurück. Außerdem ist immer wichtig, sich vorher einen Plan zusammenzustellen, denn man kann in kurzer Zeit nicht alles sehen.